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NAS Best Practices

Von der Planung bis zur Wartung - so holst du das Maximum aus deinem NAS.

⏱️ 25 Minuten 📊 Mittel
📐 Schritt 1: Planung & Dimensionierung +

Vor dem Kauf ueberlegen:

Checkliste Anforderungen

  • ☐ Wie viel Speicher brauche ich jetzt?
  • ☐ Wie schnell waechst mein Datenbestand?
  • ☐ Wie viele Benutzer greifen gleichzeitig zu?
  • ☐ Welche Anwendungen sollen laufen (nur Dateien, Medienserver, VMs)?
  • ☐ Wie wichtig sind die Daten (Redundanz-Anforderung)?
  • ☐ Budget fuer Hardware?

Speicher-Dimensionierung:

Anwendung Empfohlener Speicher
Dokumente, Backups 2-4 TB
Fotos + Dokumente 4-8 TB
Mediensammlung (Filme, Musik) 8-20 TB
Videoproduktion/4K 20-50 TB
Unternehmen (KMU) 20-100+ TB
💡

Wachstum einplanen

Kaufe ein NAS mit mehr Schaechten als du aktuell brauchst. Spaeter Platten hinzufuegen ist einfacher als ein neues NAS kaufen.
💿 Schritt 2: Festplatten-Auswahl +

NAS-optimierte HDDs verwenden:

✓ Empfohlen

  • • WD Red Plus / Pro
  • • Seagate IronWolf / Pro
  • • Toshiba N300

24/7 Betrieb, Vibrationssensoren, laengere Garantie

✗ Nicht empfohlen

  • • Desktop-HDDs (WD Blue, Barracuda)
  • • SMR-Platten (langsam bei RAID)
  • • Gebrauchte Datacenter-HDDs

Nicht fuer Dauerbetrieb ausgelegt

SMR vs. CMR:

CMR (Conventional Magnetic Recording): Besser fuer NAS - stabile Write-Performance.
SMR (Shingled Magnetic Recording): Guenstiger, aber sehr langsam bei RAID-Rebuild. Vermeiden!

⚠️

Gleiche Platten, verschiedene Chargen

Kaufe nicht alle HDDs vom selben Haendler am selben Tag. Verschiedene Produktionschargen reduzieren das Risiko, dass mehrere Platten gleichzeitig ausfallen.
🔒 Schritt 3: RAID richtig waehlen +

RAID-Empfehlungen nach Anwendungsfall:

2-Bay NAS

→ RAID 1 (Spiegelung)

50% Kapazitaet

4-Bay NAS

→ RAID 5 oder RAID-Z1 (1 Parity)

75% Kapazitaet

6+ Bay NAS

→ RAID 6 oder RAID-Z2 (2 Parity)

n-2 Kapazitaet

Kritische Daten / Grosse Platten

→ RAID-Z2 oder RAID-Z3

Max. Sicherheit
🚨

RAID ist kein Backup!

RAID schuetzt nur vor Festplattenausfall. Bei versehentlichem Loeschen, Ransomware oder Feuer sind alle Daten weg. Du brauchst zusaetzlich ein echtes Backup!
🌐 Schritt 4: Netzwerk-Konfiguration +

Optimale Netzwerkanbindung:

  • Kabel statt WLAN: NAS immer per Ethernet anschliessen
  • Jumbo Frames: MTU 9000 fuer mehr Durchsatz (Switch muss unterstuetzen)
  • Link Aggregation: 2x 1G zu 2 Gbit/s buendeln (LACP)
  • 10 Gbit: Fuer Videoschnitt oder viele gleichzeitige Nutzer

Erwartete Geschwindigkeiten

1 Gbit/s: ~110 MB/s (HDD-Limit erreicht)
2.5 Gbit/s: ~280 MB/s (RAID oder SSD-Cache noetig)
10 Gbit/s: ~1100 MB/s (SSD-Pool oder NVMe-Cache)
💡

Statische IP

Vergib dem NAS eine feste IP-Adresse ausserhalb des DHCP-Bereichs (z.B. 192.168.1.10). So aendert sich die Adresse nie und Netzlaufwerke funktionieren zuverlaessig.
🔐 Schritt 5: Sicherheit +

NAS absichern:

1. Starke Passwoerter

Admin-Passwort aendern. Keine Standard-Passwoerter. 2FA aktivieren wenn moeglich.

2. Kein direkter Internet-Zugang

Keine Ports forwarden. Zugriff von aussen nur ueber VPN oder Zero-Trust (Tailscale).

3. Regelmaessige Updates

NAS-Firmware und Apps aktuell halten. Sicherheitsluecken werden regelmaessig gefixt.

4. Benutzer-Berechtigungen

Nicht jeder braucht Admin-Rechte. Zugriff auf Ordner gezielt vergeben.

5. Snapshots aktivieren

Schuetzt vor versehentlichem Loeschen und Ransomware. Aeltere Versionen wiederherstellen.

⚠️

QuickConnect & Co.

Hersteller-Dienste wie Synology QuickConnect sind bequem, aber ein potentielles Sicherheitsrisiko. Fuer sensible Daten besser VPN nutzen.
💾 Schritt 6: Backup-Strategie +

3-2-1 Regel auch fuers NAS:

3

Kopien deiner Daten

2

verschiedene Medien

1

Off-Site Kopie

Backup-Optionen:

  • USB-Festplatte: Regelmaessig anschliessen, Backup laufen lassen, entfernen
  • Zweites NAS: Replikation zu einem Remote-Standort (Buero, Eltern, etc.)
  • Cloud-Backup: Backblaze B2, Wasabi - verschluesselt hochladen
  • Tape: Fuer grosse Datenmengen und Langzeitarchivierung

Snapshots + Backup

Snapshots (lokal) schuetzen vor versehentlichem Loeschen. Backups (extern) schuetzen vor Hardware-Ausfall und Katastrophen. Beides zusammen ist ideal.
🔧 Schritt 7: Wartung & Monitoring +

Regelmaessige Wartung:

Aufgabe Intervall
SMART-Werte pruefen Woechentlich (automatisch)
Firmware/Updates pruefen Monatlich
Backup-Integritaet testen Monatlich
RAID Scrub (ZFS) / Parity Check Monatlich
Speicherplatz pruefen Monatlich
Staub entfernen Jaehrlich

Monitoring einrichten:

  • E-Mail-Benachrichtigungen aktivieren (Plattenausfall, niedriger Speicher)
  • SNMP fuer zentrale Ueberwachung (Zabbix, Checkmk, etc.)
  • UPS (USV) anschliessen und NAS konfigurieren (sauberes Herunterfahren)
💡

UPS empfohlen

Eine USV schuetzt vor Datenverlust bei Stromausfall. Das NAS erkennt den Stromausfall und faehrt sauber herunter bevor die Batterie leer ist.

Haeufige Fragen

Wie oft sollte ich SMART-Werte pruefen?
Die meisten NAS-Systeme pruefen automatisch woechentlich. Schaue vor allem auf Reallocated Sectors, Current Pending Sectors und Uncorrectable Errors. Bei Auffaelligkeiten Platte zeitnah tauschen.
Wann sollte ich Festplatten praventiv tauschen?
Nach 3-5 Jahren steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit. Bei wichtigen Daten praventiv nach 4 Jahren tauschen. SMART-Werte beobachten - Verschlechterung ist oft vorhersehbar.
SSD-Cache - lohnt sich das?
Fuer Random Read (viele kleine Dateien, Datenbanken, VMs) ja. Fuer sequentielle Transfers (grosse Dateien, Videos) kaum Unterschied. SSD-Cache ist nice-to-have, nicht must-have.